Pünktlich um Fünf vor Zwölf zieht sich Mitarbeiter A die Burka über und schiebt sich die Geldtasche ein. Er verlässt sein berauchtes Büro und schreitet durch den Gang. Seine Kollegen freuen sich bereits auf die Kebaps, die er ihnen kaufen wird.
So verlässt er flink das Bürogebäude und räuspert sich nocheinmal, bevor er versucht, einen femininen Gang einzustudieren. Dazu geht er auf den Zehenballen und schwenkt leicht die beiden Säcke, die er sich mit einer Schnur um den Hals gehängt hat.
Einige Arbeiter der Lagerhalle neben dem Bürogebäude blicken kurz auf, steigen aber dann kopfschüttelnd in ihren Kleinbus und fahren ihreszeichens selbst zur Nahrungsaufnahme in ein Gasthaus.
Dabei kreuzt er noch ihre Ausfahrt und muß zur Seite springen, da der Fahrer des Kleinbusses stärker beschleunigte, als man es erwartet hätte. Das kurze Hupen und das folgende Lachen der Insassen hört er schon nicht mehr.
Der Kebapstand steht etwa 150 Meter entfernt neben einem chinesischen Restaurant.
Als er dort ankommt hat er bereits die Feinheiten des grazilen Dahinschreitens optimiert und tänzelt gekonnt zur Ausgabeluke des Standes.
Der Besitzer blickt ihn kurz an und spricht dann etwas unverständliches in einer fremden Sprache. A krazt sich kurz am Kopf und hält ihm dann 7 ausgestreckte Finger hin.
"Yedi ?" spricht die Stimme aus dem Geschäft zu ihm fragend.
Er nickt nur.
"Evet veya yok?" hakt der Verkäufer nach.
"Ja, sieben Stück." säuselt A in hoher überschlagender Stimme.
Der Verkäufer grinst und bereitet sieben Brötchen vor.
"Sie sind also gar keine Türkin?"
Der Verkäufer möchte Smalltalk führen, denkt sich A. Scheiße!
"Nein, ich nix Türkin."
Der Verkäufer nickt und säbelt Fleisch vom Spieß.
"Wohnen Sie hier in der Nähe?"
"Nein, nix wohnen hier, arbeiten! Da drüben." A macht eine leicht andeutende Bewegnung mit dem Kopf in Richtung Bürogebäude, wobei die Säcke um seinen Hals in Bewegung kommen. Natürlich entgeht dies nicht dem Verkäufer, der verschmitzt grinst. "Wollen sie es scharf? Yok canim! Wieso frage ich nur so dumm! Natürlich möchtest Du es scharf, habe ich recht?" grinsend fixiert er As Augen.
"Jaja, schön scharf!". Mitarbeiter A nervt das Gespräch.
"Was arbeitest Du denn in der Firma? Sitzt du dort im Chefsessel?" fragt der Verkäufer lächend, beinahe schleimend.
"Nix, ich sitzen in Büro, machen Rechnungswesen und so." A ist sichtlich nervös geworden. Schließlich hat er gerade bemerkt, daß sich eine Gruppe junger, offensichtlich türkischstämmiger Männer dem Imbiss nähert.
"Merhaba!...merhaba..merhaba", der Verkäufer grüßt die gerade eintreffenden jungen Männer, die den Gruß erwidern und sich in die Stube begeben und sich dort an einem Tisch niederlassen.
Sie bestellen auch gleich lautstark in einer fremden Sprache. Der Verkäufer plaudert kurz mit ihnen und macht dann eine kurze Bewegung mit dem Kopf in As Richtung. Nun sehen alle A an und grinsen, der Verkäufer wendet sich wieder A zu und macht die restlichen Kebaps fertig. Im Hintergrund sieht A, wie die einige der jungen Männer mit beiden Händen vertikale Wellenlinien in die Luft zeichnen und eindeutige Anspielungen mit hohlen Händen in Brusthöhe machen. Dabei blicken sie immer wieder zu A herüber und zwinkern dabei auffällig.
"Das macht dann Einundzwanzig Euro, bitte." Der Verkäufer reicht A einen Plastiksack mit den Kebaps. Er nimmt ihn an sich und greift unter seiner Burka zur Geldtasche, doch als er das Geld geben will, bemerkt er, daß die Burka im Weg ist. So stellt er sich dicht an den Stand und gibt das Geld vorsichtig unter der Burka hervor, wobei er peinlich genau darauf achtet, daß niemand seinen karierten Hemdärmel sehen kann. Beinahe hat er es geschafft, als der Wind auffrischt und seine Burka leicht anhebt.
Der Verkäufer, der gerade auf das Geld sieht bekommt so kurz einen tieferen Einblick unter die Burka von A und seine Mine versteinert sich augenblicklich.
A legt das Geld genau auf den Vorsprung und greift gerade zum Säckchen, als der Verkäufer wieder, ohne den Blick von A zu nehmen, in der fremden Sprache etwas zu den jungen Männern sagt, die nun alle zu ihm herüberschauen.
Versteinerte Gesichter blicken auf A. Langsam erheben sich drei der jungen Männer vom Tisch, im Vollbart und in blauen Latzhosen. Wohl sehr kräftige Metallarbeiter. A wird augenblicklich klar, was geschehen sein muß und greift blitzschnell zum Sack mit den Kebaps und macht sich springend auf die Socken.
Hinter sich hört er erst die Tür aufschlagen und lautes Getrampel am Holzfußboden, ein Sessel kippt um, die Männer schreien offensichtlich aus Zorn.
Doch A ist schneller. Seine Angst, erwischt und entlarvt zu werden sponsert ihm den nötigen Adrenalinstoß, um die Leistung seiner Beine unglaublich in die Höhe zu treiben.
Schnell um die Ecke, an der Ausfahrt vorbei und in die Firma. Die Kollegen haben bereits aus dem Fenster gesehen und lachen nun laut aus dem zweiten Stock herunter. Da! As Burka verfängt sich fatalerweise an einer seiner Schuhspitzen und bleibt in der ersten Schrittphase mit am Boden kleben. Gefolgt von der zweiten Schuhspitze, die sich nun durch die Burka abzeichnet und ihn davon abhält, den Schritt ganz auszuführen, entsteht ein wunderschönes Beispiel eines klassischen Sturzes. A fällt vorneüber und kann sich gerade noch rechtzeitig einrollen, um seinen Kopf vor dem blanken Asphalt zu retten. Er überschlägt sich einmal, zweimal und kommt dann elegant in der Hocke aufrecht zu stehen. Er drückt sich vom Boden ab und läuft weiter, während er bereits eine Hand am Rücken spürt, die nach ihm greift. Einer seiner Kollegen hat bereits geistesgegenwärtig die Pforte zu seiner Firma geöffnet und blickt mit ängstlichem Gesicht auf die Horde, die ihm entgegenrennt.
A sprintet zum Eingang und zieht die Tür hinter sich zu. Doch sie will nicht zugehen, eine Hand und ein Bein des unmittelbaren Verfolgers treten und schlagen noch nach ihm. A selbst holt unter seiner Burka aus, öffnet sie Tür nocheinmal 10 cm weiter und tritt dem Verfolger mit aller Wucht in den Magen. Dieser fliegt zurück und krümmt sich vor Schmerz, A zieht die Türe zu, die einschnappt und nun von aussen nur mehr per Schlüssel zu öffnen ist.
Die frischen Kebaps in der Hand begibt er sich, ohne zurückzublicken schnurstracks in das Obergeschoß und zieht sich als erstes die Burka aus, dann wechselt er das Hemd gegen eines, das nicht kariert ist und will die Kebaps verteilen.
Doch was ist das? Niemand ist da, alle stehen noch am Fenster und blicken hinab. Von weitem hört er bereits eine Polizeisirene.
Nun blickt auch er hinab und sieht am Boden kauernd jenen mutigen Kollegen, der ihm die Türe öffnete. Der, als Indiana verkleidete Kollege wird immer wieder von den jungen Männern mit Tritten traktiert. Schützend hält sich die Hände vors Gesicht und schreit.
Die Polizei naht und Arbeiter aus der Werkshalle nebenankommen bereits herbeigeeilt. Die jungen Männer wollen fliehen, doch die Arbeiter hindern sie daran, der Indiana steht auf und schreit mit blutender Nase in seinem Heulen untergehende Schimpfworte zu den jungen Männern und wendet sich schließlich an jene, die auf ihn herabblicken.
"Seht mich an, ist es das was ihr wollt? Ist es das? Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!".
Bei der Polizei werden schließlich fünf junge Männer von einem Indianer wegen schwerer Körperverletzung angezeigt. Sie werden zu langen Haftstrafen verurteilt, da es viele Zeugen gibt.
A musste an diesem Tag 2 Kebaps essen und hat dem Indianer 3 Euro zurückgegeben.
Die fünf jungen Männer haben versucht eine Person in Burka mit kariertem Hemd anzuzeigen. Die Anzeige wurde verworfen, da kein zulässiger Tatbestand angegeben wurde. Die Polizei hat die Fahndung nach der Person in Burka eingestellt, da das Büro dichtgehalten hat, um ihren A zu decken. Die Person in Burka soll aus dem Hintereingang des Bürogebäudes geflüchtet sein. Denn nachmittags wurden noch rein zufällig hinter dem Bürohaus auf einem Zaun die Burka und etwas weiter in einer Wiese das karierte Hemd gefunden.