[Zum Login] [Startseite]
Für Licht ins Dunkle, am 18.01.2007, um 12:23 Uhr.

Mitarbeiter A.

Ein infernalischer Gestank macht sich breit. Er kriecht unter dem Spalt der Türen hindurch und zieht hoch in die oberen Stockwerke. Die Duftnote ist irgendwo zwischen Schwefel und faulen Eiern einzuordnen, hat aber trotz ihrem eher faden Akzent noch eine gewisse Schärfe. Ja, bald wissen es alle. Mitarbeiter A aus Abteilung B hat sich gestern Abend den Wanzt vollgeschlagen. Auf seiner Restauranttour von der Schenke zum schmutzigen Löffel über den China-In bis hin zum griechischen Restaurant Aggropolis hat er nichts ausgelassen.
Und nun scheiden all die Weißwürste, die süßsaure Chinakohleiersuppe mit Frühlingsrolle und das deftige Gyros mit Zaziki langsam dahernieder in die weiße Keramikschüssel des Aborts und werden alsbald von der Flut hinabgerissen in die Kanäle der Großstadt.
Die kalte Winterluft strömt durch das gekippte Toilettenfenster herein und begleitet ihn noch nach draussen in den Gang seiner Abteilung.
Als er sich flink wie ein Wiesel in sein Büro geschlichen hat und auf seinem kunstledernen Bürosessel Platz nimmt, sieht er bereits, daß während seiner Abwesenheit am Ort der Ruhe viele Emails eingetroffen sind. Als er so die Maus in die Hand nimmt hat er einen kurzen Geistesblitz, und er erinnert sich daran, die Hände nicht gewaschen zu haben. Doch dieser Gedanke wird noch im selben Moment von einem Email verdrängt, das seine Aufmerksamkeit auf sich zieht:
---------------------
Sehr geehrter Herr A,
die Lieferung des von Ihnen bestellten Produktes kann leider nicht ausgeführt werden.
Artikelnr. 238947127
Bezeichnung: Raucherinnen unter sich
Film DVD, FSK18

Das staatliche Antiraucherprogramm lässt keine
Lieferung dieses Artikel im gesetzlichen Rahmen zu.

Mit freundlichen Grüßen,
Versandhaus Geradebilliggenug.
---------------------
A zündet sich darauf hin eine Zigarette an und flucht innerlich. Er stellt sich vor, wie er mit einem langen Mantel, einer schwarzen Sonnenbrille und schwarzen Lackschuhen in dieses Versandhaus spaziert und währen der letzten 3 Schritte zur Rezeption eine riesige Kanone unter seinem Mantel hervorzieht, die wie ein große Zigarette aussieht, mit der er dann gleich mal die Rezeptionistin wegpustet.
Dann geht der Fahrstuhl auf und der Chef kommt heraus. Gerade zu richtigen Zeit. Er schimpft und spottet über diese gigantische Zigarette in seiner Hand und merkt nichteinmal, daß er gerade um eine Mitarbeiterin ärmer geworden ist. Es kommt zu einem Handgemenge dessen krönender Abschluß darin besteht, daß A diese Zigarette auf dem am Boden liegenden Chef des Versandhauses ausdämpft. Dann zieht er nocheinmal daran und sagt ganz langsam und triumphierend "So ein Jammer für Dich, hattest nichtmal genug Saft in den Adern um diese popelige Zigarette auszudämpfen.".
Dann ist sein kurzer Tagtraum auch schon vorüber. Er wird durch ein seltsames Geräusch unterbrochen. Ein hoher Pfeifton stört die Stille des montäglichen Büroalltags und holt ihn jäh in die Realität zurück.
Noch bevor er merkt, was der Auslöser für diesen Lärm ist, bemerkt er, daß sein Aschenbecher nicht mehr da ist. Nur ein kleines Kärtchen, auf dem steht: "Sehr geehrte Damen und Herren, aus Rücksicht auf die allgemeine Gesundheit wurden alle Aschenbecher eingesammelt und sämtliche Brandmelder auf das Niveau einer Nichtraucherumgebung sensibilisiert. Wir bitten sie darum, vom Rauchen im Büro Abstand zu nehmen und statt dessen die nun dafür zugeteilten Räume zu nutzen. Mit besten Grüßen fürs neue Jahr: die Geschäftsleitung."
Ein kurzer Blick zur Bürodecke gibt dem unguten Gefühl Recht, das sich wärend des Lesens dieser Zeilen in ihm aufgebaut hat. Der Brandmelder in seinem Büro hat das LED dazu ermuntert fröhlich und unaufhörlich zu blinken. Der Hausdienst druchstreift bereits die Zimmer auf der Suche nach diesem Signal. Unglaublicherweise, der Hausdienst ist bereits im Büro nebenan, hört das Geräusch plötzlich auf. Totenstille tritt ein. Kein Licht, kein Radio und kein Alarm. Lautes Fluchen aus den Büros lässt auch darauf schließen, daß sogar die Computer nun ausgefallen sind. Stromausfall im Büro um Dreiviertelacht am Montag Morgen. Das ist gar nicht gut fürs Geschäft.
A entsorgt die angerauchte Zigarette in einer leeren Bierdose, die noch vom Freitag bei ihm auf der Fensterbank steht und öffnet ängstlich das Fenster.

Später wurde festgestellt, daß die uralte, aber nun wieder aktivierte Alarmanlage am Stromausfall Schuld hatte, und damit irgendjemand, der trotz des Verbotes geraucht hatte.
Da die Alarmanlage derart alt war und die Leitungen korrodiert und vergammelt im Mauerwerk vor sich hinrotteten, gab es einen Kurzschluß über die Bewehrung einer Wand. Diese Bewehrung wiederum war mit dem Blitzschutz verbunden und der schnappte ein und kappte damit die Verbindung ins äußere Stromnetz. Wie sich ein derartiger Mechanismus durch den Hauseigenen Lichtstrom auslösen konnte wurde erst klar, als bekannt wurde, daß die Stromversorgung der Alarmanlage nicht über den Zählerkasten erfolgte, sondern aus einem nicht näher in den Bestandsplänen angeführten Kabel, das aus dem Keller kommt. Es wir vermutet, daß die damaligen Erbauer des Hauses verbotenerweise fremde Kabel, die am Haus vorbeilaufen angezapft haben, um Licht auf die Baustelle zu bekommen.
Es wurde außerdem bald klar, daß die Leitung aus dem Keller mehr als 240 Volt lieferte und damit erheblicher Grund zu Sorge bestand.
Letztendlich denkt Herr A nun, daß er selbst das Haus durch seine geheime Aktion vor Schlimmeren bewahrt hat.

Fortsetzung folgt ...
Reaktion Nr.1 von Kelfun, am 31.01.2008 um 14:24:01 Uhr
Boahh
was für kranke Raucherphantasien! Ist doch echt bescheuert. Bei uns in der Arbeit ist jetzt komplettes Rauchverbot, da ja bekanntlich in öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht werden darf. Sämtliche Aschenbecher wurden abmontiert und ein Bereich für Raucher eingerichtet. Und was machen die Leute, die rauchen einfach munter in den Gängen weiter und äschern alles voll, und austretten tun sie ihre stinkenden Stäbchen am Boden. Bei uns sieht es aus wie im Schweinestall! Ein wenig Rücksicht könnten auch Raucher nehmen, man kann doch sicher im Stande sein und eine dreiviertel Stunde nicht Rauchen!
Reaktion Nr.2 von Muchei, am 26.07.2008 um 19:34:23 Uhr
Na sowas grausliges hab ich ja noch nie glesen
Dieser erfrischende und liebliche Text stammt wohl aus einer olivfarbenen Feder, die der werte Künstler einem besoffenen Piepmatz aus dem Arschgefieder entwendet hat. Ber der Aktion wurde wahrscheinlich ausgelöst durch den Zupfer ein dünnflüssig Häufchen gesetzt in welches dies Schreibgerät eingetaucht wurde. Vollgesogen mit dem feinen Saft wurde die Feder an des Künstlers Hütchen gesteckt und fortlaufend getragen bis Geistesblitze die Hand des selben Hand dazu bewohen die Feder zu zücken und diese Zeilen zu verfassen. Ich nehme stark an, dass dabei obendrein geraucht wurde.
 Zum Inhalt - Bild:Totenkopf auf Buch